KN: Neues Gebäude mit Altbaucharme - Sanierung von umstrittener Kieler Schrottimmobilie beginnt

Nach jahrelangen Verzögerungen, Streitigkeiten und Planungen beginnt nun die Sanierung im Kirchenweg 34 in Gaarden. Die Stadt Kiel hat die Schrottimmobilie gekauft. Statt Abriss läuft eine Grundrenovierung für 15 Sozialwohnungen.

 

 

 

Artikel in den Kieler Nachrichten: 

Kiel. Wichtiger Schritt für eine Schrottimmobilie in Kiel-Gaarden: Am Kirchenweg 34 hat die Sanierung begonnen. Das Mehrfamilienhaus aus den 1920er Jahren hat eine bewegte Geschichte hinter sich – inklusive eines drohenden Gerichtsstreits, Überbelegung und der Nutzung als Unterschlupf für Drogenabhängige.

Architektonisch gilt es als eines der schönsten Gebäude in Gaarden. Die helle Fassade mit einer abgerundeten Ecke, Loggien und hohen Fenstern lässt Altbaucharme hinter den Mauern vermuten. Doch der erste Eindruck trügt. Darauf deuten bereits Graffiti am Gebäude und die mit Holz verrammelten Fenster hin. Das Haus am Kirchenweg 34 ist eine Schrottimmobilie.

 

Kiel kauft Schrottimmobilie für 900.000 Euro

Nach Ansicht der Stadt ist die Gebäudesubstanz jedoch nicht so marode, dass sich das Grundgerüst nicht erhalten ließe. Deshalb machte sie bereits 2021 von ihrem kommunalen Vorkaufsrecht Gebrauch und kam einer Investorengruppe beim Kauf der Immobilie zuvor. Die Absicht der Stadt: Nach der Generalsanierung wird die Kieler Wohnungsgesellschaft (Kiwog) im Kirchenweg Sozialwohnungen vermieten.

Der Sanierungsstart hat sich jedoch mehrfach verzögert. Aufgrund von Klageandrohungen und Unstimmigkeiten mit dem vorherigen Eigentümer wurde die Stadt erst im August 2023 Eigentümerin der Immobilie. Der Kaufpreis lag bei rund 900.000 Euro.

Jetzt läuft die Sanierung. Auf rund 880 Quadratmetern Wohnfläche entstehen 15 öffentlich geförderte Wohnungen.

Geplant sind 13 Dreizimmerwohnungen mit Größen zwischen rund 51 und 58 Quadratmetern sowie zwei Vierzimmerwohnungen mit rund 58 bis 65 Quadratmetern. Der Zuschnitt der Wohnungen orientiert sich an den baulichen Gegebenheiten des historischen Bestands.

“Wir hätten keinen Neubau in dieser Qualität für drei Millionen Euro bekommen.”

Markus Reutershan

Kiwog-Geschäftsführer

 

Im Erdgeschoss wird es keine Wohnungen geben. Dort entsteht eine Multifunktionseinrichtung, die von der Arbeiterwohlfahrt als Betreuungsträgerin genutzt werden soll.

Kirchenweg 34: Sanierung kostet rund zwei Millionen Euro

Schätzungsweise zwei Millionen Euro wird die Sanierung kosten. Zusammen mit dem Kaufpreis von 900.000 Euro summieren sich die Kosten somit auf knapp drei Millionen Euro. „Wir hätten keinen Neubau in dieser Qualität für drei Millionen Euro bekommen“, sagt Kiwog-Geschäftsführer Markus Reutershan. Daher seien die Pläne, das Gebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, nicht weiterverfolgt worden.

„Es wird ein neues Gebäude mit dem Charme eines Altbaus“, kündigt Dieter Hellwig an. Der Geschäftsführer des beauftragten Architekturbüros BSP aus Kiel betont die gute Bausubstanz des historischen Mehrfamilienhauses. „Es wurde mit viel Qualität gebaut.“ Daher soll das Gebäude nicht komplett entkernt werden. Möglichst viele Wände sollen erhalten bleiben.

Mieter sollen Ende 2027 einziehen können

Ende 2027 sollen die ersten Mieter in das sanierte Gebäude am Kirchenweg 34 einziehen können. Die Miete beträgt 6,80 Euro pro Quadratmeter.

Mit dem Einzug dürfte ein jahrelanges Drama um die Schrottimmobilie sein Ende finden. Seit Ende 2016 steht das Mehrfamilienhaus leer, nachdem die Stadt die Reißleine gezogen hatte. Ein Jahr zuvor hatten zeitweise 140 Menschen gleichzeitig darin gewohnt. Die Stadt Kiel reagierte mit strengen Auflagen zur Reduzierung der Bewohnerzahl, bis schließlich alle Mieter ausgezogen waren.

In den Folgejahren wurde das verlassene Haus zum Unterschlupf für Obdachlose und Drogenabhängige. Nun soll ein laut Sozialdezernent Gerwin Stöcken „problematisches Eck“ eine neue Entwicklung nehmen.

Am Kirchenweg 34 stehen weitere Veränderungen an. Auf dem dahinterliegenden freien Grundstück soll weiterer sozialer Wohnraum entstehen – in einem Neubau, der ebenfalls an die Kiwog übergeht. Geplant sind 30 bis 35 Wohnungen. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen.

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Bilder:

Vorschaubild Artikel: 

Sie machten sich ein Bild vom Zustand des Gebäudes im Kirchenweg 34 in Kiel (von links): André Sternitzke (BSP Architekten), Thomas Lindner (Technischer Leiter Kiwog), Dieter Hellwig (BSP Architekten), Markus Reutershan (Kiwog-Geschäftsführer), Lukas Freitag (BSP Architekten) sowie Gerwin Stöcken (Sozialdezernent)

Quelle: Viktoria Kovaleva

Bild unter dem Artikel:

Nach langem Hin- und Her hat die Stadt das verfallene Gebäude am Kirchenweg 34 gekauft. Nun wird saniert.

Quelle: Viktoria Kovaleva

 

 

 



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