Artikel in den Kieler Nachrichten:
Der Wohnungsmarkt in Kiel bleibt weiterhin angespannt. Im Vergleich zu früheren Jahren leben dabei immer mehr Menschen allein, was zu einer Verknappung des Wohnraums führt. „Viele Menschen können sich eine große Wohnung leisten, daher haben wir viele Haushalte mit nur einer Person. Dagegen müssen wir anbauen“, sagt Gerwin Stöcken (SPD), Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport.
Der 63-Jährige blickt auf den Kran im Groß Ebbenkamp 20 in Dietrichsdorf. Wo vorher ein Bolzplatz und eine Grünfläche waren, baut die Kieler Wohnungsgesellschaft (Kiwog) 22 Wohnungen in unmittelbarer Nähe zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel. Trotz der räumlichen Nähe ist der Neubau nicht gezielt für Studierende vorgesehen. „Es gibt hier bereits Studentenwohnheime und wir merken immer wieder, dass Studenten noch immer lieber auf dem Westufer wohnen“, erklärt Stöcken.
„Eine zweite Chance geben“: Kiel baut Sozialwohnungen
Stattdessen ist das Mehrfamilienhaus für Sozialwohnungen vorgesehen. „Es ist ein großes Problem, wenn sich Menschen nicht selbst mit einer Wohnung versorgen können, weil sie in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatten“, sagt Stöcken. „Diesen Menschen wollen wir eine zweite Chance geben. Wir haben die Idee, dass direkt daneben ein Kindergarten gebaut wird, auf dessen Dach weitere Wohnungen liegen.”
Auf den 1860 Quadratmetern entstehen Wohnungen mit einer Größe von 50 bis zu 115 Quadratmetern. Besonders auffällig sind die Holzbauweise und die Holzfassade. „Das sieht man nicht oft“, sagt Markus Reutershan, Geschäftsführer der Kiwog. „Es ist ein Versuch. Wir wollen schauen, ob das eine Alternative für die Zukunft ist.“ Dass das Dach zudem begrünt und mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet wird, ist dabei ebenfalls kein Zufall. „Die Grünfläche passt zur Holzbauweise“, erklärt der Geschäftsführer.
Denkbar ist auch, dass die Familien in ihrem künftigen Zuhause einen kurzen Weg zum Kindergarten haben. „Wir haben die Idee, dass direkt daneben ein Kindergarten gebaut wird, auf dessen Dach weitere Wohnungen liegen“, sagt Stöcken. Bislang haben die Planungen dafür aber noch nicht begonnen. Kurios: Im Zuge der Bauarbeiten fanden die Bauarbeiter in der Erde zahlreichen Schrott – etwa Teile von Motorrädern oder Autos.
20 Wohnungen: Kiwog baut Mehrfamilienhaus in Wellsee
Rund sieben Kilometer entfernt baut die Kiwog in Wellsee ein vergleichbares Mehrfamilienhaus. In der Julius-Leber-Straße entstehen 20 Wohnungen, auch hier zu 100 Prozent Sozialbau. In beiden Häusern kostet die Miete über den ersten Förderungsweg 6,80 Euro pro Quadratmeter. Doch anders als in Dietrichsdorf setzt die Kiwog in Wellsee nicht auf Holzbauweise, sondern auf das klassische Stein‑auf-Stein. „Wir haben dies bewusst so gemacht, um einen Vergleich zu bekommen.“ An dem Waldgebiet wird seit April gebaut, Anfang 2028 könnten die ersten Mieter einziehen – Gleiches gilt auch für Dietrichsdorf. Anschließend werde man sehen, wie sich der Zustand der Häuser im Vergleich entwickele.
Trotz klassischen Steinbaus gab es in Wellsee eine räumliche Schwierigkeit: „Durch die hangabwärts liegende Lage hatten wir eine Herausforderung, aber wir haben uns dem Gelände angepasst“, sagt Reutershan. So gibt es auf der Fläche von rund 1500 Quadratmetern – anders als im Sozialbau üblich – auch Kellerräume.



